Wie oft sollte man für Musikunterricht zuhause üben?

Wie oft sollte man für Musikunterricht zuhause üben?

Wie oft sollte man zuhause für den Musikunterricht üben? Warum Regelmäßigkeit wichtig ist, sich Motivation oft erst über mehrere Jahre entwickelt und weshalb die Freude an der Musik langfristig wichtiger ist als perfektes Üben, erklären wir in diesem Beitrag.

 

Regelmäßigkeit ist wichtiger als Perfektion

Viele Eltern fragen sich, wie oft ihr Kind zuhause für den Musikunterricht üben sollte. Gleichzeitig stellen sich auch Erwachsene, die ein Instrument lernen möchten, dieselbe Frage. Die Antwort fällt jedoch nicht für jeden gleich aus.

Natürlich hat regelmäßiges Üben einen positiven Einfluss auf die Entwicklung. Trotzdem sollte man immer das Alter des Schülers und die bisherige Erfahrung am Instrument berücksichtigen. Was bei einem fortgeschrittenen Musiker sinnvoll ist, muss für einen Anfänger noch lange nicht passend sein.

Gerade bei Kindern im Alter von sechs bis acht Jahren beobachten wir häufig, dass Eltern sehr hohe Erwartungen an das Üben zuhause haben. Natürlich wären 10 bis 15 Minuten täglich für viele Anfänger bereits sehr wertvoll. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Viele Kinder greifen nicht jeden Tag zum Instrument. Sie spielen vielleicht einige Tage gar nicht und setzen sich dann plötzlich wieder für eine halbe Stunde hin, weil ihnen ein Lied gefällt oder sie einfach Lust darauf haben.

Aus pädagogischer Sicht ist das zwar nicht die optimale Form des Übens, bedeutet aber nicht automatisch, dass kein Fortschritt stattfindet. Denn ein wichtiger Punkt wird häufig übersehen: Der Unterricht selbst trägt bereits einen großen Teil zur Entwicklung bei. Neue Inhalte werden gelernt, Bewegungen verbessert, musikalische Zusammenhänge verstanden und Fähigkeiten aufgebaut. Gerade in den ersten Jahren kann dadurch viel kompensiert werden.

Danny Walter kennt diese Situation auch aus eigener Erfahrung. In den ersten Jahren war das Üben nicht die größte Leidenschaft. Oft waren es die Eltern, die daran erinnerten, sich wieder einmal ans Instrument zu setzen. Wenn gespielt wurde, dann meist das, was Spaß machte. Rückblickend war das völlig normal. Als Kind versteht man oft noch gar nicht, was Üben eigentlich bedeutet. Dieses Verständnis entwickelt sich erst mit der Zeit.

 

Warum Interesse am Instrument genauso wichtig ist wie Üben

Ein weiterer Punkt wird häufig unterschätzt: Musikalische Entwicklung entsteht nicht nur durch Unterricht und klassisches Üben. Auch das Interesse am Instrument selbst spielt eine wichtige Rolle.

Viele Kinder und Jugendliche beschäftigen sich außerhalb des Unterrichts mit Musik. Sie hören ihre Lieblingsbands, schauen Videos auf YouTube, besuchen Konzerte oder beobachten andere Musiker beim Spielen. Auch dadurch lernen sie ständig dazu und bauen eine Verbindung zur Musik auf.

Gerade Schüler, die sich freiwillig mit ihrem Instrument beschäftigen, entwickeln oft ein besseres Verständnis für Musik und bleiben langfristig motiviert. Deshalb ist nicht nur entscheidend, wie viele Minuten pro Woche geübt werden, sondern auch, wie groß die Begeisterung für das Instrument insgesamt ist.

 

Warum Kinder und Jugendliche unterschiedlich üben

Interessanterweise beobachten wir bei vielen Schülern einen ähnlichen Verlauf. Anfangs steht die Freude am Instrument im Vordergrund. Das regelmäßige Üben passiert eher auf Erinnerung von außen. Mit den Jahren verändert sich das jedoch häufig. Man versteht Zusammenhänge besser, hört die eigenen Fortschritte bewusster und entwickelt persönliche Ziele.

Aus einem „Ich sollte üben“ wird plötzlich ein „Ich möchte üben“.

Oft entsteht dieser Wendepunkt genau in der Pubertät. Schüler, die vorher eher unregelmäßig geübt haben, entwickeln plötzlich eine starke Eigenmotivation. Sie entdecken neue Musik, setzen sich eigene Ziele und verbringen freiwillig deutlich mehr Zeit mit ihrem Instrument. Dadurch holen viele innerhalb weniger Jahre enorm auf.

Auf der anderen Seite gibt es auch Kinder, bei denen sehr hohe Erwartungen an das Üben gestellt werden. Manche Eltern verlangen täglich eine Stunde oder sogar mehr. Natürlich können dadurch kurzfristig beeindruckende Ergebnisse entstehen. Aus unserer Erfahrung sollte jedoch immer die Frage im Mittelpunkt stehen, ob die Freude an der Musik erhalten bleibt.

Denn langfristiger Erfolg entsteht selten durch Druck allein. Gerade während der Pubertät beobachten viele Musiklehrer, dass manche Schüler einen Gegenpol zum jahrelangen Leistungsdruck entwickeln. Sie möchten selbst entscheiden, wie sie ihre Freizeit gestalten und verlieren dadurch manchmal komplett die Motivation für ihr Instrument.

 

Muss man überhaupt Profi werden?

Deshalb glauben wir, dass es wichtiger ist, eine langfristige Begeisterung für Musik aufzubauen, als möglichst schnell Ergebnisse zu erzwingen. Wer mit acht Jahren beginnt und bis 14 oder 15 Jahre Freude am Instrument entwickelt, hat oft deutlich mehr gewonnen als jemand, der einige Jahre perfekt funktioniert, später aber komplett damit aufhört.

Ein weiterer Punkt wird dabei häufig vergessen: Die wenigsten Schüler werden später Berufsmusiker. Und das muss auch gar nicht das Ziel sein.

Aus unserer Sicht ist es bereits ein großer Erfolg, wenn Musik zu einem langfristigen Hobby wird, das Menschen über viele Jahre oder sogar ein Leben lang begleitet. Denn Musik kann weit mehr sein als Unterricht oder Üben. Sie kann Ausgleich sein, Kreativität fördern, Menschen zusammenbringen und über viele Lebensphasen hinweg Freude bereiten.

Regelmäßiges Üben ist wichtig. Noch wichtiger ist jedoch, dass die Freude an der Musik erhalten bleibt. Denn wer auch als Erwachsener noch gerne musiziert, hat mehr gewonnen als jemand, der als Kind Höchstleistungen erbracht, später aber komplett mit Musik aufgehört hat.